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Fachtagung: Geistig behindert, na und...?

 

Beitrag zur AEB Fachtagung „Geistig behindert – na und?“, Kolpinghaus Bozen, 20.11.2017

 

Prof. Walter Lorenz

Link zum Vortrag:

Vortrag Dr. Lorenz Walter

 

 

 Prof.ssa Anna Aluffi Pentini – Roma

 Link zum Vortrag:

Vortrag Anna Aluffi Pentini

Slide Referat Anna Aluffi Pentini

 

Theol. Prof. Martin M. Lintner PTH Brixen

Link zum Vortrag :

Vortrag Martin M. Lintner

 

Erfahrungsbericht von Brunner Untertrifaller Rosa als betroffene Mutter

 Erfahrungsbericht von Messner Julian als betroffene Person

 

 

Workshop 1 - Frühförderung

(Dagmar Hofer und Martina Pattis)

 

Hofer Dagmar ist vom Dienst „Frühförderung und Familienbegleitung“. Der Dienst bezieht sich auf Eltern mit Kinder von 0 -bis 6 Jahren, die an einer Entwicklungsverzögerung/Störung oder eine Behinderung haben.

Folgende Ressourcen wurden erarbeitet:

  • welche Dienste gibt es landesweit?
  • was könnte man im Bezug auf die Frühförderungsmaßnahmen für Kinder mit Behinderung machen?

Folgende Forderung wurden beim Workshop ersichtlich - ein Ziel in drei Schritten:

  • es soll eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Dienste erstellt werden
  • ausgehend vom Ressort für Gesundheit und Soziales sollten alle Basis-Angebote landesweit zusammengefasst werden, damit die Eltern der Kinder mit einer Behinderung eine genaue Übersicht erhalten, wo und an wen sie sich wenden können
  • alle Bezirke sollten einheitliche Informationen übermitteln

 

Workshop 2 - Kindergarten/Schule

(Grüner Wolfgang)

Drei Leitfragen wurden bearbeitet:

  • was sind förderliche Faktoren für die Integration in der Schule?
  • was sind behindernde Faktoren?
  • Vorschläge, Wünsche und Forderungen

Zu den förderlichen Faktoren gehören Kommunikation, Vor- und Information. Der Austausch von Informationen, gelungene Kooperation zwischen Eltern, Kindergarten und Schule ist die Grundvoraussetzung, damit eine gute Inklusion gelingt.

Professionalität bedeutet, dass die professionellen Berufsbilder in Schulen und Kindergärten gut ausgebildet sind und sich auch regelmäßig fortbilden und dass in den Schulen offene Unterrichtsformen zum Einsatz kommen.

Behindernde Faktoren wären, wenn die Flexibilität im Kindergarten oder in der Schule fehlt oder Informationen zurückgehalten bzw. nicht weitergegeben werden, z.B. bei einem Lehrerwechsel und sich niemand verantwortlich fühlt, um Informationen weiterzugeben.

Ein wichtiger Punkt war die Kontinuität. Die Beratung sollte gewährleistet werden.

Die Verantwortung für Kinder mit Beeinträchtigung soll nicht nur an die jeweiligen Berufsbilder und Mitarbeiter für Integration delegiert werden, sondern es muss eine gemeinsam verteilte Verantwortung gegeben sein. Bei der Zuweisung von der Stellenwahl für die Integration sollten auch Spezialisierungen der Mitarbeiter dementsprechend berücksichtigt werden.

Im Kindergarten ist die Integration/Inklusion einfacher. Je höher man in der Schulstufe hinaufgeht, desto schwieriger wird es.

 

Workshop 3 - Arbeit

(Alois Schmid)

Für die Arbeitseingliederungsdienste bräuchte es mehr Personal und flexiblere Möglichkeiten, um auf den Bedarf der einzelnen Bezirke eingehen zu können. Beispielsweise wenn es in einigen Bezirken zu Engpässen kommt und es dadurch mehr Personal bräuchte um den ganzen Arbeitseingliederungsdienst zu begleiten.

Es braucht eine Arbeitserlernmöglichkeit auf mehreren Stufen: Werkstätten, Reha-Werkstätten und Genossenschaften, damit der Übertritt in den ersten Arbeitsmarkt besser gewährleistet werden kann.

Von Seiten der Berufsschulen wäre eine Teilqualifizierung für bestimmte Handwerksberufe sehr wichtig, so wie es sie auch im Tiroler Raum gibt, wobei Jugendliche eine Teilqualifizierungslehre in handwerklichen Berufen abschließen können.

Ein intensives Thema waren die verschiedenen Unterstützungsmaßnamen auf Landes- und Staatsebene für die Feststellung der Zivilinvalidität. Auch die Pflegeeinstufung-und Sicherung ist ein wichtiges Thema, damit die Betroffen ihr Leben gut meistern können. Sie sind nicht untereinander abgestimmt und behindern oft die Möglichkeit, dass Menschen im Arbeitsmarkt einsteigen können. Dies müsste auf der verwaltungsmäßigen, institutionellen Ebene gelöst werden.

Die Unterstützungsmaßnahmen der privaten Betriebe sollten unbedingt jenen, der öffentlichen Arbeitgeber angepasst werden.

Die Daten die die Ermittlungszentren sammeln, sind noch ungenügend und müssen klar aufgeschlüsselt werden. Dadurch kann man nicht feststellen, wie erfolgreich manche Maßnahmen sind. Es werden hauptsächlich nur Daten der Menschen mit Zivilinvalidität gesammelt, aber nicht von jenen mit kognitiven Schwierigkeiten, Lern-Schwierigkeiten oder Sinnesbeeinträchtigung u. s. w.

Ein Thema war auch die Begleitung der Arbeitgeber für Betriebe mit Personen mit kognitiven- und Lernschwierigkeiten. Es wäre sinnvoll, dass Mitarbeiter des Betriebes den Inklusionsprozess mitlernen.

 

Workshop 4 - Freizeit

(Günther Andergassen)

Die Teilnehmer/innen dieses Workshops setzten sich aus Eltern der Betroffenen, Mitarbeiter des Sozialdienstes, Mitarbeiter der Lebenshilfe und jene, die in der Freizeit aktiv sind, zusammen. Es wurde festgestellt, dass die Freizeit ein sehr wichtiger Bereich für Menschen mit geistiger Behinderung ist. Sie kann zu einem großen Lernfeld zur Selbstentfaltung und Verwirklichung beitragen, Ausgrenzungen zu beheben und somit die Inklusion fördern. Gerade in der Freizeit wird das Feld der Lebensverwirklichung - Zufriedenheit-und Glück zugeschrieben.

Wir fordern eine Zusammenarbeit von Schulen und Organisationen oder Vereinen, die Menschen mit Behinderung befähigen sollten, Ihre Interessen und Bedürfnisse zu finden.

Ein weiteres Thema ist die Transparenz und Barrierefreiheit im Bereich der Veranstaltungen.
Bekommt man z. B. ein Ticket für eine Veranstaltung, weiß man nicht ob man mit dem Rollstuhl teilnehmen kann, wie die Preiskategorie eingeteilt ist und wer das Ticket bezahlt.

Im Sinne der Integration und Inklusion sollten Menschen mit Behinderung in verschieden Vereinen involviert werden. Dies kann eine Bereicherung für alle sein.

Zum Thema Mobilität - Menschen mit Behinderungen können, obwohl sie genauso das Recht hätten, Land und Leute auch außerhalb der Grenzen kennenzulernen, bei Reisen kaum mitfahren.

Aus dem Workshop kam folgender Vorschlag zu Stande: Die Gemeinde wird ersucht, als politisches Organ eine/n Beauftragte/n für Inklusion zu beauftragen, die/der für die Funktion und Sensibilisierung landesweit verantwortlich ist.

Es wird auch gefordert, dass jährlich ein Treffen zwischen diesen Beauftragten und den verantwortlichen des Landes stattfindet und somit geklärt wird, wie weit die Umsetzung und der Stand dieses Landesgesetzes ist und was noch gemeinsam zu tun ist.

 

Workshop 5 - Wohnen

(Carmen Messner)

Es wurden die einzelnen Wohnformen, die derzeit sei es von den öffentlichen Ämtern und Bezirksgemeinschaften geführt werden, aufgezählt, z. B. Wohnheime, Wohngemeinschaften, Trainingswohnungen, ambulante Wohnbegleitung und welches die Unterschiede und die einzelnen Zielsetzungen sind?

Ebenso wurde über innovative Wohnformen gesprochen, wobei immer der Mensch im Mittelpunkt stehen muss. Die gesamte Organisation und Zukunftsplanung sollte aus diesem Leitfaden/-bild ausgehen. Gerade für die Politik ist dies eine großer Herausforderung: Teilnahme und Teilgabe am öffentlichen und gemeinschaftlichen Leben, Selbstbestimmung, Wertschätzung, soziale Räume u. s. w.

Ausgehend von der personenzentrierten Wohnplanung ist man auf die Wohnbauplanung übergegangen. Die betroffenen Menschen müssten bei der Bauplanung ein Mitspracherecht haben. Die Lebenshilfe hat eine Umfrage über die Wohnsituation gestartet: Das Ergebnis war: 95 % möchten weg von den großen Wohnheimen, die derzeit geboten werden. Das wichtigste und notwendigste ist, dass ein Nachtdienst zur Sicherheit der betroffenen Menschen und der Eltern präsent ist, egal um welche Wohnform es sich handelt. Das sehen die derzeitigen Wohnformen leider nicht vor wie z. B. die Trainingswohnungen.

Die innovativen Wohnformen bei denen z. B. Studenten mit Menschen mit Beeinträchtigung zusammen leben gab es bereits vor ca. 20 Jahren in Innsbruck. Eine Umsetzung dieser Wohnformen müsste auch bei uns möglich sein.

Eine Wohnform, die immer mehr angeboten wird, ist das Wohnen an Bauernhöfen.

Die Kirchlichen Einrichtungen, die leer stehen, sollten mehr genutzt werden.

Das Mehrgenerationenhaus wäre auch eine tolle Chancenressource für alle.

Flexibilität bei der Planung und der Umsetzung.

Die Finanzierung ist eines der größten Handicaps. Das Landesgesetz sieht vor, dass jeder wählen kann, wo er wohnen möchte, aber das ist derzeit leider nicht so. Einzelne Bezirksgemeinschaften entscheiden ob sie die Kosten für die Unterkunft in anderen Bezirksgemeinschaften übernehmen oder nicht.

 

 

 

 

Fachtagung „Geistig behindert – na und?“

 

                                                                                                                    

 

am Montag, 20.11.2017 findet von 09.00 Uhr bis 17.00 Uhr im Kolpinghaus in Bozen eine Fachtagung zum Thema „Geistig behindert – na und?“ statt, zu der wir Sie herzlich einladen.

 

Das Hauptziel, das durch diese Veranstaltung angestrebt wird, ist zu erörtern, was geistige Behinderung bedeutet, welche Ressourcen diese Menschen für Schule, Arbeit und Freizeit bieten, wie unsere Gesellschaft ohne geistig behinderte Menschen aussähe und wie geistige Behinderung ethisch und philosophisch-theologische gesehen wird.

 

Am Vormittag werden Referenten, Eltern von Menschen mit geistiger Behinderung und Betroffene diese Themen aus den verschiedenen Sichtweisen beleuchten, während am Nachmittag in Workshops auf die Bereiche Frühförderung, Kindergarten/Schule, Arbeit, Freizeit und Wohnen näher eingegangen wird. Die Fachtagung endet dann mit einem Resümee und einer Abschlussdiskussion.

 

 

 

 

Fachtagung "Menschen mit Down-Syndrom lernen - lebenslang" vom 19.03.2016

 

  

Die diesjährige Fachtagung des AEB anlässlich des internationalen Welt-Down-Syndrom Tages am 21. März befasste sich mit einem Thema, das das Leben eines jeden Menschen, insbesondere eines Menschen mit Down-Syndrom in herausragendem Maße bestimmt: das Lernen.

Wurde noch bis zum Ende des letzten Jahrhunderts davon ausgegangen, dass geistig behinderte Menschen bildungsunfähig sind (erst 1978 konnte dies durch eine Studie mit Menschen mit Down-Syndrom widerlegt werden), gibt es heute immer mehr Menschen mit Down-Syndrom, die einen Oberschulabschluss schaffen. So auch Silvia Barbarotto, eine junge Frau mit Down-Syndrom, die selbst über ihren erfolgreichen Werdegang an einer Oberschule in Mailand berichtete.

Wie kann Lernen mit Down-Syndrom gelingen? Welches sind die grundlegenden Faktoren? Und können Menschen mit Down-Syndrom auch als Erwachsene noch dazulernen oder gibt es Grenzen?

Diesen grundlegenden Fragen gingen die Referenten der gut besuchten Tagung auf den Grund. Frau Bernadette Wieser, Leiterin des Down-Syndrom Kompetenz-Zentrums „Leben, Lachen Lernen“ in Leoben in der Steiermark betonte in ihrem Referat, dass die individuelle Entwicklung Ausgangspunkt der Förderung sein muss, nicht die spezielle Behinderung. Weiter erklärte sie, dass Menschen mit Down-Syndrom natürlich lebenslang lernen können, sie ging dabei auch auf Maßnahmen und Methoden ein, die hierfür besonders förderlich sind. Über eine ganz neue Maßnahme, dem EEG-Neurofeedback referierte Dr. Günther Goller. Christina Coltro Campi, die Mutter von Silvia Barbarotto und selbst Lehrerin glaubt, dass ihre Tochter vor allem von der inklusiven Schule sehr profitiert hat. Auch sie betont die Bedeutung der individuellen Förderung. In den Workshops von Frau Wieser und Frau Galler am Nachmittag konnten sich die Teilnehmer über die praktische Ausführung der Frühförderung beim Kleinkind bis zu Fördermaßnahmen bei Jugendlichen  und Erwachsenen informieren. Dazu zählt auch der in Südtirol neu angebotene und vom AEB initiierten Dienst „Familienbegleitung und Pädagogische Frühförderung von Kindern mit Beeinträchtigung“.

 

Besonders wichtig wird das Lernen im Hinblick auf die Arbeitswelt. Dr. Andrea Sinno, Vertreter des AIPD (Associazione Italiana Persone Down), definierte die 3 wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche Arbeitseingliederung: 1. die Eigenständigkeit der Arbeiter; 2. die Ausbildung vor Ort; 3. die gezielte und unterstützte Eingliederung. Er berichtete, dass von den erwachsenen Mitgliedern des AIPD zur Zeit nur 12% einen unbefristeten Arbeitsvertrag haben, obwohl viel mehr Betroffene die Voraussetzungen dazu hätten. Der Grund dafür sei, dass es trotz Menschenrechtskonventionen immer noch große Vorurteile gegenüber Menschen mit Beeinträchtigung gibt.  Auch in Südtirol bilden Menschen mit Down-Syndrom, die einer geregelten Arbeit nachgehen, die Ausnahme.

Wozu soll unser inklusives Schulsystem führen, wenn nicht zu einem inklusiven Arbeitsplatz, der dem Grundbedürfnis eines jeden Menschen nach Selbstverwirklichung und Selbstständigkeit nachkommt? Wir müssten dann aber unsere Vorurteile hinter uns lassen und Vertrauen in die oft erstaunlichen Fähigkeiten unserer Mitbürger mit Down-Syndrom setzten.

Dann können sich Menschen mit einem extra Chromosom auch zu einem Dichter oder Musiker entwickeln, wie Julian Messner und Felix Jörg durch ihre Beiträge eindrucksvoll bewiesen.

 

Clever Forever von Bernadette Wieser

 

EEG- Neurofeedback als Therapieansatz von Günther Goller

 

Frühförderung von Ulrike Galler