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DAMA (Disabled Advanced Medical Assistance)

Vorwort

"Wenn ein Mensch mit Behinderung leidet, leidet er doppelt: zum einen aufgrund der Schmerzen, zum anderen, weil er sich darüber nicht mitteilen kann." (Cernuschi E. 2000)

 

Personen mit schwerer neuromotorischer oder intellektueller Beeinträchtigung haben im klinischen Alltag Schwierigkeiten, ihr Recht auf eine angemessene Gesundheitsversorgung wahrzunehmen.

Bereits normale Kontrollvisiten oder einfache diagnostische Verfahren (wie zum Beispiel Blutentnahmen) können eine große Hürde darstellen, da der normale Routinebetrieb einer Klinik nicht für die speziellen Bedürfnisse dieser Patientengruppe ausgelegt ist.

Zudem sind auch die Strukturen der Klinik mit diesen Patienten regelmäßig überfordert  da die gewohnten Abläufe gestört oder nicht eingehalten werden können.

 

DAMA-PROJEKT

DAMA ist ein Projekt zur klinischen Betreuung von Personen mit schweren  intellektuellen, kommunikativen und neuromotorischen Beeinträchtigungen, welches  bereits seit 15 Jahren in der Klinik San Paolo in Mailand etabliert ist und mittlerweile auch in anderen Krankenhäusern in Italien erfolgreich eingeführt wurde.

Das Projekt basiert auf der Anwesenheit von speziell geschultem Personal (Ärzte, Pflegekräfte, Verwaltungspersonal und Freiwillige) welches sich der bestehenden Problematik annimmt und einen patientenspezifischen Betreuungsplan erstellt.

 

Kernpunkte und Voraussetzungen für dieses Projekt sind:

  • Ein interdisziplinäres Team, bestehend aus Internisten, Chirurgen, Pflegekräften, Kinderärzten und Kinderneurologen, welches das bestehende Problem analysiert und hierfür unter Zuhilfenahme der bestehenden Ressourcen einen maßgeschneiderten Behandlungs- und Betreuungsplan erstellt.
  • Eine Pflegekraft als ersten Ansprechpartner für die Betroffenen, um die eingehenden Anfragen zu filtern und nur bei gegebenem Bedarf diese an o.g. Team weiterzuleiten.
  • Eine Sprechstunde (Ambulatorium) zur Erstsichtung und Befunderhebung
  • Ein "Day Hospital" (Innere Medizin und Chirurgie) zur Durchführung von diagnostischen und therapeutischen Eingriffen

 

 ZWECK DES PROJEKTES

 

  • Den betreffenden Patienten und ihren Betreuern unnötigen Stress zu ersparen, ihnen eine angemessene Aufnahme im Krankenhaus zu ermöglichen und folglich einen abgestimmten Behandlungsplan mit entsprechendem Behandlungsablauf zu garantieren
  • Vermeidung von unnötigen Aufnahmen
  • Vermeidung von unnötigen Untersuchungen
  • Vermeidung von unnötigen sedativen Behandlungen
  • Vermeidung von unzweckmäßigen Vorstellungen in der Ersten Hilfe

 

Ziel ist es somit, mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und Ressourcen, ein Modell der effizienten, humanen, qualifizierten und kostensparenden krankenhausärztlichen Betreuung ins Leben zu rufen.

 

PROJEKTPARTNER

  • Arbeitskreis Eltern Behinderter (AEB)
  • Krankenhaus Bozen

 

               VORSCHLAG ZUR DURCHFÜHRUNG VON DAMA AM KRANKENHAUS BZ

 

Um eine Erstvisite oder eine nicht dringliche Kontrollvisite am Ambulatorium DAMA zu vereinbaren, sollten die Eltern das Sekretariat des AEB kontaktieren. Das Sekretariat gibt die Daten des Patienten weiter an die/den Pfleger/-in, die/der mit den entsprechenden organisatorischen Aufgaben betraut ist.

 

Die Erst- und nicht dringenden Visiten werden einmal im Monat (Donnerstag Nachmittag) in den Poliambulatorien des Krankenhauses Bozen von zwei Ärzten (Internist/-in und Kinderneurologe/-in) durchgeführt.

 

Diagnostische Untersuchungen und Blutentnahmen, die unter Sedierung durchgeführt werden müssen, werden im Rahmen einer Day Surgery in enger Zusammenarbeit mit Anästhesisten, die ebenfalls dem Team angehören, durchgeführt.

 

Sollte eine stationären Aufnahme notwendig sein, werden die Patienten auf Basis der zugrundeliegenden Erkrankung in die entsprechenden Fachabteilungen des Krankenhauses aufgenommen. Die Stationsärzte und Stationspfleger werden in der Patientenbetreuung von den Ärzten und Pflegern des interdisziplinären Teams unterstützt.

 

Auf Anfrage des Sanitätsdirektors Dr. Girardi werden in den folgenden Abteilungen unseres Krankenhauses jeweils 2 Ärzte und 2 Pfleger als Ansprechpartner des DAMA-Projektes nominiert:

 

  • Innere Medizin
  • Allgemeine Chirurgie
  • Pädiatrie
  • Neurologie
  • Orthopädie
  • Zahnheilkunde
  • Gynäkologie
  • Urologie
  • HNO
  • Augenheilkunde

 

PROJEKTKOSTEN

  • 2 mal im Jahr Beratungstätigkeit durch Prof. Filippo Ghelma (Projektverantwortlicher am KH San Paolo in Mailand)
  • monatlich 20 Stunden Gehalt für den/die Pfleger/-in, der/die organisatorische Aufgaben ausführt und die Anfragen des Sekretariats des AEB entgegennimmt
  • USB-Stick für Patienten mit dem DAMA-Patienten-Akte

 

 

Link: Formular zur Anfrage einer ersten Visite beim DAMA Ambulatorium

 

 

                       KONGRESS IN BOZEN – SÜDTIROL

“Gesundheitliche Bedürfnisse von Erwachsenen mit schwerer kognitiver Beeinträchtigung: Möglichkeiten der Intervention”

„Wenn ein Mensch mit Beeinträchtigung leidet, leidet er doppelt: zum einen aufgrund der Schmerzen, zum anderen, weil er sich darüber nicht mitteilen kann”

                                   (Zitat eines Vaters einer Person mit Beeinträchtigung).

 

Am 26. Oktober 2018 hat in Bozen, der Provinzhauptstadt von Südtirol-Italien, ein Kongress über die gesundheitlichen Bedürfnisse von Menschen mit schwerer kognitiver Beeinträchtigung stattgefunden.

Der Kongress wurde von der ärztlichen Leitung des Krankenhauses Bozen in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Eltern Behinderter (AEB) organisiert.

Referenten aus Bozen und anderen Städte von Italien wie Mailand, Padua, Empoli, Mantua, haben mit Referenten aus GB-London und Deutschland, aus verschiedener Sicht die gesundheitliche Probleme der Erwachsenen mit schwerer kognitiver Behinderung herausgearbeitet.

Dr. Jörg Stockmann aus Bielefeld hat mit dem Kollegen aus Bozen Dr. Massimo Bernardo über die Möglichkeiten der Schmerzerkennung, Evaluationsskalen, Abklärungen und Therapie bei Menschen mit komplexerer Behinderung berichtet.

Frau Anna Perathoner aus Bozen und Dr. Marino Lupi aus Empoli/Toscana, haben ihre Erfahrungen als Eltern von Erwachsenen mit mentaler Retardierung und autistischen Zügen, fesselnd vorgebracht.

Die Anästhesisten, Frau Dr. Carla Benassai und Herr Dr. Gastone Zanette, haben über verschiedene Prozeduren zur Sedierung bei der Durchführung von Abklärungen bei Patienten, die aufgrund ihrer Verhaltensauffälligkeiten und kognitiver Beeinträchtigung nicht mitarbeiten können, referiert.

Herr Dr. Mario Francesco Marini, der als Zahnarzt in London in einer Spezialklinik für Menschen mit Behinderung arbeitet, hat über „Special Care Dentistry”, eine spezifische Fachausbildung für Zahnärzte in England, berichtet

Die Kinderneuropsychiater Dr. Marco Angriman und Dr. Lucio Parmeggiani und die Psychiaterin Frau Dr. Livia Sanna haben die häufigsten Probleme bei Menschen mit kognitiver Behinderung, wie Verhaltensauffälligkeiten, Schlafstörungen und Epilepsie, geschildert.

Zum Hauptthema des Kongresses „Wie kann das Krankenhaus auf die Bedürfnisse von Erwachsenen mit schwerer kognitiver Beeinträchtigung eingehen?“ wurde das Projekt „DAMA“ (Disabled Advanced Medical Assistance) vorgestellt.

DAMA ist ein Modell zur Verbesserung der Aufnahme und Betreuung im Krankenhaus von Jugendlichen und Erwachsenen mit schweren intellektuellen Beeinträchtigungen und wird bereits in verschiedenen Krankenhäusern Italiens angewandt.

Das Projekt DAMA sieht im Krankenhaus ein geschultes Team von Fachärzten, Pflegern und weiteren sanitären Fachkräften für die Betreuung von Personen mit kognitiver Beeinträchtigung und Kommunikationsschwierigkeiten und geschützte, individuell angepasste Betreuungspfade für die direkt Betroffenen vor.

DAMA wurde vom Gründer, Prof. Filippo Ghelma von der Klinik „San Paolo Mailand“ und vom Team von Ärzten und Pflegern vom Krankenhaus Bozen vorgestellt. Bereits seit 2017 hat auch das Krankenhaus Bozen das Projekt DAMA eingeführt.

Das Interesse für diese Thematik war groß, was sich aus der überaus zahlreichen Beteiligung von Tagungsteilnehmern ableiten ließ, es kamen über 200 Personen, darunter Pfleger, Ärzte, Reha-Fachleute, Angehörige von Betroffenen und Betreuer.

 

 

Einzelne Referate:

 

SCHMERZEN BEI MENSCHEN MIT SCHWERER KOGNITIVER BEEINTRÄCHTIGUNG

 

Jörg Stockmann (Bielefeld-Deutschland):

Link: Einschätzung und Behandlung der Schmerzen in Deutschland und in Italien

 

 

Massimo Bernardo (Bozen):

Link: Valutazione e trattamento del dolore: esperienza tedesca e italiana

 

 

Anna Perathoner(Bozen)

Link: Aus der Sicht der Eltern

 

 

 

 SCHWERE KOGNITIVE BEEINTRÄCHTIGUNG: DIAGNOSTISCHE ABKLÄRUNGEN IN SEDIERUNG UND ZAHNÄRZTLICHE BEHANDLUNGEN

 

Carla Benassai (Empoli)

Link: La gestione ospedaliera del paziente con disabilità intelettattiva grave: il punto di vista dell'anestesista

(Die Behandlung aus der Sicht der Anästhetsisten)

 

 

Gastone Zanette (Padova)

Link: Sedazione procedurale e utilizzo del protossido d'azoto

("procedural  sedation" und Anwendungen von Lachgas)

 

 

Mario Francesco Marini (Londra)

Link: "Spezial care"

 

 

SCHWERE KOGNITIVE BEEINTRÄCHTIGUNG: VERHALTENSPROBLEME UND UMFELD

 

Livia Sanna

Link: Verhaltensprobleme

 

 

Marco Angriman (Bozen)

Link: Schlafstörungen

 

 

Lucio Parmeggiani (Bozen)

Link: Epilepsie

 

 

 

WIE KANN DAS KRANKENHAUS AUF DIE BEDÜRFNISSE VON ERWACHSENEN MIT SCHWERER KOGNITIVER BEEINTRÄCHTIGUNG EINGEHEN?

 

Michela Cristini - Michela Salandin - Claudia Telfser (Bozen)

Link: Das Projekt DAMA