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Projekt D.A.M.A.

(Disabled Advanced Medical Assistance)

 "Wenn ein Mensch mit Behinderung leidet, leidet er doppelt: zum einen aufgrund der Schmerzen, zum anderen, weil er sich darüber nicht mitteilen kann." (Zitat von einem Vater einer Person mit schwerer Behinderung)

 

 
 
WAS IST DAMA?
 
DAMA, die Kurzform für Disabled Advanced Medical Assistance, ist ein Projekt für  Personen  mit  kognitiven  Beeinträchtigungen,  das  im  Jahr  2000  am
Krankenhaus  San  Paolo  in  Mailand  entstand.  An  diesem  Projekt  nehmen verschiedene  Krankenhäuser  Italiens  teil,  darunter  seit  2017  auch  das
Krankenhaus Bozen.
Personen  mit  Beeinträchtigungen  fällt  es  aufgrund  ihrer  Schwierigkeiten  im Sprachverstehen  und  in  der  Kommunikation  schwer,  bei  ärztlichen
Untersuchungen  aktiv  mitzuarbeiten  und  somit  normale  Krankenhausabläufe nachzuvollziehen. 
Eltern, Angehörige oder Bezugspersonen, vor allem von erwachsenen Personen mit  Beeinträchtigung,  haben  Schwierigkeiten  innerhalb  des  Krankenhauses
Ansprechpartner zu finden.
Zudem  ist  das  Sanitätspersonal  oft  nicht  ausreichend  auf  die  spezifischen Bedürfnisse dieser Patientengruppe vorbereitet. 

DAMA  ist  ein  krankenhausinternes  Organisationsmodell  mit  dem  Zweck,  die Aufnahme  und  Betreuung  der  erwachsenen  Personen  mit  kognitiv-
verhaltensspezifischen Beeinträchtigungen im Krankenhaus zu verbessern und ihnen  das  selbe  Recht  auf  Gesundheit  wie  der  Allgemeinheit  zu  garantieren,
wie  dies  von  der  UNO-Konvention  zu  den  Rechten  für  Personen  mit Beeinträchtigungen schon im Jahr 2009 festgelegt wurde.

 
WIE FUNKTIONIERT DAMA UND WAS BIETET ES?  
 
Das  Projekt  DAMA  steht  unter  der  direkten  Koordination  der  ärztlichen Direktion des Krankenhauses.

Den Kern von DAMA bildet ein interdisziplinäres Team, zusammengesetzt aus einem  Krankenpfleger/einer  Krankenpflegerin,  einem  Internisten,  einem
Anästhesisten und wenn möglich einem Zahnarzt. Der Krankenpfleger/die Krankenpflegerin ist die zentrale Figur im DAMA-Team;
sie  gestaltet  die  erste  Kontaktaufnahme  mit  den  Bezugspersonen  der  Person mit Beeinträchtigung und organisiert die fachärztlichen Visiten
und eventuelle diagnostische Abklärungen. 

In  enger  Zusammenarbeit  mit  dem  DAMA-Team  sind  die  „DAMA-Referenten“ tätig:  dies  sind  Fachärzte,  Krankenpfleger  und  Techniker  aus  verschiedenen
Diensten des Krankenhauses (Zentrallabor, Radiologie und Zahnheilkunde) und Abteilungen  des  Krankenhauses  (Gastroenterologie,  Chirurgie,  Orthopädie,
Rehabilitation,  Neurologie,  Psychiatrie,  Gynäkologie,  Urologie,  Pneumologie, Hals-Nasen-Ohren,  Dermatologie,  Augenheilkunde,  Intensivmedizin),  die  sich
freiwillig  im  Projekt  einbringen  und  im  Umgang  mit  Verhaltensproblematiken von Personen mit Beeinträchtigung sensibilisiert sind.   

Im  Rahmen  des  Erstkontaktes  mit  den  Bezugspersonen  sammelt  der/die DAMA-Krankenpfleger/in  mittels  eines  strukturierten  Interviews  alle
wesentlichen  Informationen  zu  den  klinischen  Besonderheiten  und verhaltensspezifischen Eigenheiten der Person mit Beeinträchtigung. 
Anschließend  werden  die  gesammelten  Informationen  mit  dem  DAMA-Kernteam  (Internist  und  Anästhesist)  besprochen  und  vereinbart,  in  welcher
Form  die  erste  DAMA-Visite  organisiert  wird.  Sollte  ersichtlich  sein,  dass  die Person  mit  Beeinträchtigung  bei  den  fachspezifischen  Untersuchungen  oder
weiteren  diagnostischen  Abklärungen  Schwierigkeiten  in  der  Mitarbeit  zeigen werde,  werden  die  Untersuchungen  im  Rahmen  eines  Day  Hospitals  in  Form
einer “all in one time” Sedierung programmiert.  
 
Alle,  während  der  DAMA-Visiten  gesammelten  klinischen  Daten  und verhaltensspezifischen  Informationen  zum  Patienten/zur  Patientin  werden  in
einer  Patientenkartei  festgehalten  und  zeitgleich  auf  einem  USB-Stick abgespeichert.  Dieser  wird  den  Bezugspersonen  ausgehändigt  und  kann  bei
allen weiteren Zugängen im Krankenhaus verwendet werden.
 
Die  DAMA-Tätigkeit  erfolgt  an  einem  festgelegten  Tag  des  Monats  im Krankenhaus:  am  Vormittag  des  „DAMA-Tages“  werden  in  Anwesenheit  des
Anästhesisten  jene    diagnostischen  Verfahren  durchgeführt,  welche  einer Sedierung  bedürfen,  am  Nachmittag  erfolgen  die  internistischen  DAMA-
Erstvisiten  und  Kontrollvisiten.  Die  Visiten  finden  in  einem,  den  Bedürfnissen der  Personen  angepassten  Ambulatorium,  in  ruhigem  Umfeld  des
Krankenhauses statt.   
 
Derzeit  werden  für  erwachsene  Personen  mit  kognitiver  und/oder kommunikativer  Beeinträchtigung  „diagnostische  Betreuungsabläufe“  für  den
Zugang  zur  Ersten  Hilfe  ausgearbeitet,  die  bei  nicht  kooperativen  Personen eine Reihe von standardisierten Diagnostikverfahren unter Sedierung vorsehen.
 

DAMA KONTAKT IM KRANKENHAUS BOZEN
E-Mailadresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Telefon: 0471- 909466 Donnerstag von 12 Uhr bis 13 Uhr   
Ambulatorium: Dienst für Kinderneurologie, 4. Stock, roter Bereich    
 
 

 

 

Link: Formular zur Anfrage einer ersten Visite beim DAMA Ambulatorium

 

 

                       KONGRESS IN BOZEN – SÜDTIROL

“Gesundheitliche Bedürfnisse von Erwachsenen mit schwerer kognitiver Beeinträchtigung: Möglichkeiten der Intervention”

„Wenn ein Mensch mit Beeinträchtigung leidet, leidet er doppelt: zum einen aufgrund der Schmerzen, zum anderen, weil er sich darüber nicht mitteilen kann”

                                   (Zitat eines Vaters einer Person mit Beeinträchtigung).

 

Am 26. Oktober 2018 hat in Bozen, der Provinzhauptstadt von Südtirol-Italien, ein Kongress über die gesundheitlichen Bedürfnisse von Menschen mit schwerer kognitiver Beeinträchtigung stattgefunden.

Der Kongress wurde von der ärztlichen Leitung des Krankenhauses Bozen in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Eltern Behinderter (AEB) organisiert.

Referenten aus Bozen und anderen Städte von Italien wie Mailand, Padua, Empoli, Mantua, haben mit Referenten aus GB-London und Deutschland, aus verschiedener Sicht die gesundheitliche Probleme der Erwachsenen mit schwerer kognitiver Behinderung herausgearbeitet.

Dr. Jörg Stockmann aus Bielefeld hat mit dem Kollegen aus Bozen Dr. Massimo Bernardo über die Möglichkeiten der Schmerzerkennung, Evaluationsskalen, Abklärungen und Therapie bei Menschen mit komplexerer Behinderung berichtet.

Frau Anna Perathoner aus Bozen und Dr. Marino Lupi aus Empoli/Toscana, haben ihre Erfahrungen als Eltern von Erwachsenen mit mentaler Retardierung und autistischen Zügen, fesselnd vorgebracht.

Die Anästhesisten, Frau Dr. Carla Benassai und Herr Dr. Gastone Zanette, haben über verschiedene Prozeduren zur Sedierung bei der Durchführung von Abklärungen bei Patienten, die aufgrund ihrer Verhaltensauffälligkeiten und kognitiver Beeinträchtigung nicht mitarbeiten können, referiert.

Herr Dr. Mario Francesco Marini, der als Zahnarzt in London in einer Spezialklinik für Menschen mit Behinderung arbeitet, hat über „Special Care Dentistry”, eine spezifische Fachausbildung für Zahnärzte in England, berichtet

Die Kinderneuropsychiater Dr. Marco Angriman und Dr. Lucio Parmeggiani und die Psychiaterin Frau Dr. Livia Sanna haben die häufigsten Probleme bei Menschen mit kognitiver Behinderung, wie Verhaltensauffälligkeiten, Schlafstörungen und Epilepsie, geschildert.

Zum Hauptthema des Kongresses „Wie kann das Krankenhaus auf die Bedürfnisse von Erwachsenen mit schwerer kognitiver Beeinträchtigung eingehen?“ wurde das Projekt „DAMA“ (Disabled Advanced Medical Assistance) vorgestellt.

DAMA ist ein Modell zur Verbesserung der Aufnahme und Betreuung im Krankenhaus von Jugendlichen und Erwachsenen mit schweren intellektuellen Beeinträchtigungen und wird bereits in verschiedenen Krankenhäusern Italiens angewandt.

Das Projekt DAMA sieht im Krankenhaus ein geschultes Team von Fachärzten, Pflegern und weiteren sanitären Fachkräften für die Betreuung von Personen mit kognitiver Beeinträchtigung und Kommunikationsschwierigkeiten und geschützte, individuell angepasste Betreuungspfade für die direkt Betroffenen vor.

DAMA wurde vom Gründer, Prof. Filippo Ghelma von der Klinik „San Paolo Mailand“ und vom Team von Ärzten und Pflegern vom Krankenhaus Bozen vorgestellt. Bereits seit 2017 hat auch das Krankenhaus Bozen das Projekt DAMA eingeführt.

Das Interesse für diese Thematik war groß, was sich aus der überaus zahlreichen Beteiligung von Tagungsteilnehmern ableiten ließ, es kamen über 200 Personen, darunter Pfleger, Ärzte, Reha-Fachleute, Angehörige von Betroffenen und Betreuer.

 

 

Einzelne Referate:

 

SCHMERZEN BEI MENSCHEN MIT SCHWERER KOGNITIVER BEEINTRÄCHTIGUNG

 

Jörg Stockmann (Bielefeld-Deutschland):

Link: Einschätzung und Behandlung der Schmerzen in Deutschland und in Italien

 

 

Massimo Bernardo (Bozen):

Link: Valutazione e trattamento del dolore: esperienza tedesca e italiana

 

 

Anna Perathoner(Bozen)

Link: Aus der Sicht der Eltern

 

 

 

 SCHWERE KOGNITIVE BEEINTRÄCHTIGUNG: DIAGNOSTISCHE ABKLÄRUNGEN IN SEDIERUNG UND ZAHNÄRZTLICHE BEHANDLUNGEN

 

Carla Benassai (Empoli)

Link: La gestione ospedaliera del paziente con disabilità intelettattiva grave: il punto di vista dell'anestesista

(Die Behandlung aus der Sicht der Anästhetsisten)

 

 

Gastone Zanette (Padova)

Link: Sedazione procedurale e utilizzo del protossido d'azoto

("procedural  sedation" und Anwendungen von Lachgas)

 

 

Mario Francesco Marini (Londra)

Link: "Spezial care"

 

 

SCHWERE KOGNITIVE BEEINTRÄCHTIGUNG: VERHALTENSPROBLEME UND UMFELD

 

Livia Sanna

Link: Verhaltensprobleme

 

 

Marco Angriman (Bozen)

Link: Schlafstörungen

 

 

Lucio Parmeggiani (Bozen)

Link: Epilepsie

 

 

 

WIE KANN DAS KRANKENHAUS AUF DIE BEDÜRFNISSE VON ERWACHSENEN MIT SCHWERER KOGNITIVER BEEINTRÄCHTIGUNG EINGEHEN?

 

Michela Cristini - Michela Salandin - Claudia Telfser (Bozen)

Link: Das Projekt DAMA